Winter 2025

Ich bin von HIER!

Es hat Spaß gemacht

Es hat Spaß gemacht

Ab dem kommenden Jahr wird die Floristik-Meisterin Katharina Eidt im Auftrag der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte (VDB) die floristischen Beiträge liefern, die dann an dieser Stelle und in der Fachpresse veröffentlicht werden. Der VDB ist es damit gelungen, eine sehr profilierte Floral-Gestalterin für diese Inspirationsbeiträge zu gewinnen. Eine Floristik-Meisterin, die, wie nachfolgendes Portrait zeigt, in Top-Betrieben aus- und weitergebildet wurde und ihren regionalen Wurzeln treu geblieben ist.

Katharina Eidt wuchs im Westerwald auf, dort, in Wirges und im nahegelegenen Hundsangen, führten ihre Eltern Elfi und Werner Kaiser Blumenfachgeschäfte und eine Gärtnerei. In diese Fußstapfen wollte die Tochter als Abiturientin aber nicht treten. „Zu wenig kreativ“, erschien ihr die Alltagsfloristik, im Gartenbau sah sie nur „Arbeit ohne Ende“.

Die Rückorientierung kam – nach diversen Praktika – , als Vater Werner Kaiser nach einem Seminar mit einem Fachbuch von Gregor Lersch zurück nach Hause kam. Die dort gezeigten Werkstücke „waren für mich Kunst“ – und alles andere als Alltagsfloristik. Organisiert wurde ein einwöchiges Praktikum bei Gregor Lersch, dort traf sie Floristinnen und Floristen „aus aller Welt“, der eigene berufliche Weg war gefunden.

Im Jahr 2002 begann die dreijährige Ausbildung bei Gregor Lersch. Deutlich wurde schnell, dass es sich dabei um einen „Ritterschlag“ handelte. Was einige Namen aus dem damaligen Team beweisen: Britta Ohlrogge, Uta Lorenz, Victoria Salomon, Steffen Teuscher, Daniel Santamaria, Felix Geiling-Rasmus. Ein Team von hoch-talentierten Mitstreitern – die alle ihre besondere Rolle in der deutschen Floristik gespielt haben und spielen.

Nach der Ausbildung wechselte Katherina Eidt in das (schon 1876 gegründete) Top-Blumenfachgeschäft von Michael Graaf in den Hamburger Nobel-Stadtteil Nienstedten. Die im ländlich geprägten Westerwaldkreis aufgewachsene Jung-Floristin traf dort auf eine mondäne Welt. Noch heute erinnert sie sich: „Es war ein Highlight, als ich zum ersten Mal Barbara Schönberger bedient habe“.

Über 30 Floristinnen und Floristen waren in jener Zeit bei dem 2022 mit nur 59 Jahren verstorbenen Michael Graaf beschäftigt. Katharina Eidt erinnert sich an „toll organisierte Abläufe“ und daran, gelernt zu haben, dass „man auch verkaufen muss“. Michael Graaf war mit seinem Blumenfachgeschäft stark im Event-Business aktiv, „es gab viele verrückte Projekte“. Nach der Ausbildung bei Gregor Lersch war die Zeit in Hamburg ein weiterer wichtiger Schritt in die Professionalität.

Die „Westerwälder“ gelten als heimatverbunden und so wundert es nicht, dass auch bei Katharina Eidt Heimweh aufkam. Zurück in der eigenen Region machte sie sich mit 24 (!) Jahren im Bereich der Messe- und Büroausstattung selbstständig. Später suchte die Berufsschule eine Vertretung für eine erkrankte Lehrerin. Das Angebot wurde angenommen, die Berufsschule drängte auf eine Meisterausbildung, die Katharina Eidt dann nach Grünberg führte. Bis heute ist sie einmal wöchentlich an der Berufsschule tätig.

2015 boten ihr die Eltern an, die Blumenfachgeschäfte und die Gärtnerei zu übernehmen. In Wirges konnte ein verkehrsgünstig gelegener ehemaliger Steinmetzbetrieb übernommen werden, de Geschäftsräume wurden verlegt, seit 2017 ist „Blumen Kaiser“ unter der Leitung von Katharina Eidt dort angesiedelt. Auch Bruder Florian Kaiser hat in der Branche Fuß gefasst, er ist seit 2020 mit einem eigenen Galabau-Betrieb selbstständig.

„Blumen Kaiser“ bedient alle Facetten eines Blumenfachgeschäftes. Ungewöhnlich für eine Kleinstadt ist der Schwerpunkt Pflanzgefäße, über 50 Gefäße werden mittlerweile kontinuierlich gepflegt. Beim Verkauf und somit auch beim Einkauf „liegt mein Augenmerk auf regionalen Produkten, diese heben wir auch immer wieder gegenüber unseren Kunden hervor“. Katharina Eidt findet: „Am Blumengroßmarkt führt kein Weg vorbei, ich muss die Ware sehen, anfassen können“. Zumal entdecke man bei jedem BGM-Einkauf „immer wieder etwas Neues“. Das haben ihre Mentoren Gregor Lersch und Michael Graaf sicher auch immer so gesehen.

Zwei Blumenfachgeschäfte, das Potential und die Möglichkeiten einer Gärtnerei, Berufsschultätigkeit und mit Charlotte eine kleine Tochter, die mütterliche Aufmerksamkeit benötigt – langweilig ist es Katharina Eidt sicher nicht. Und nun gesellen sich auch noch die Aufträge der VDB hinzu, die wiederum eine neue Herausforderung sind.

Die Auftraggeber haben der Floral-Gestalterin aus dem Westerwald weitgehend freie Hand bei der Umsetzung der Fotoserie gegeben. Einzige Bitte war, dass die heimatliche Region von Katharina Eidt eine Rolle spielen sollte. Es sollte kein großstädtisch geprägtes Ambiente sein, sondern ein kleinstädtisches, ländliches Umfeld. Schließlich ist ja auch ein Großteil der Blumenfachgeschäfte in Deutschland außerhalb der Metropolen angesiedelt.

Die Überlegungen zur inhaltlichen Ausrichtung und praktischen Umsetzung der Werkstücke, der Einkauf der Materialien, die Auswahl der Location inklusive entsprechender Absprachen, die Vereinbarungen mit dem Fotografen, die Informationsweitergabe zur Texterstellung, die Einhaltung des Etats und die Kommunikation mit den Auftraggebern – solch eine Fotoproduktion ist umfassend.

Umso beeindruckender ist, dass man sagen darf: Die Ergebnisse, die wir mit Beginn des nächsten Jahres veröffentlichen werden, sind hervorragend geworden. Und umso schöner ist, dass Katharina Eidt das Resümee zieht: „Es hat Spaß gemacht“. Freuen wir uns also auf die Frühjahrs-Ausgabe!

Es hat Spaß gemacht Es hat Spaß gemacht
Es hat Spaß gemacht Es hat Spaß gemacht
Es hat Spaß gemacht Es hat Spaß gemacht
Traditionen, zeitgemäß interpretiert

Traditionen, zeitgemäß interpretiert

Advent und Weihnachten stehen kurz bevor – doch schon jetzt hat die Messe Frankfurt für das kommende Jahr die Weihnachtstrends definiert. Sie sind nicht grundsätzlich unterschiedlich von dem, was in diesem Jahr nachgefragt sein wird, denn die Verbraucher spüren die Unsicherheit der Zeitläufe und besinnen sich daher auf bewährte Traditionen. Wobei zugleich gilt: Die Floristik in Deutschland ist in ihrer Gesamtheit bunter geworden.

Die Trendscouts von bora.herke.palmisano haben für die Christmasworld (6. bis 10. Februar) die Trends unter die Schlagworte „brave, light, solid“ zusammengefasst. Konkret geht es um zwar moderne, aber zugleich sehr traditionelle Richtungen, um eine poetische Leichtigkeit sowie Klarheit und Beständigkeit. Große gestalterische und farbliche Experimente stehen in der Advents- und Weihnachtsfloristik bekanntlich selten im Fokus, die Menschen wünschen sich Traditionen, die ihnen seit ihrer Kindheit bekannt sind. Dies gilt insbesondere in Zeiten, die als unsicher definiert werden.

Wir haben aus diesem Grund und als Inspirationsquelle an dieser Stelle Advents- und Weihnachtsfloristik zusammengestellt, die zwar traditionell aber alles andere als altbacken ist. Es ist verkäufliche Floristik, die gestalterisch, aber auch preislich nicht den Rahmen sprengt. Denn ein Aspekt dürfte das Weihnachtsfest prägen: Die Sparneigung, die schon das ganze Jahr spürbar ist, wird sich zu Advent und Weihnachten nicht grundsätzlich verändern.

Traditionen, zeitgemäß interpretiert Traditionen, zeitgemäß interpretiert
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Florale Kunst – kein Alltag

Florale Kunst – kein Alltag

Christopher Ernst aus Kindelbrück, Deutscher Meister der Floristen (2022 – 2024), hat auf der FLORINT-Weltmeisterschaft „World Cup Floral Art“ Ende August im niederländischen Den Haag unter 23 Teilnehmern einen hervorragenden 6. Platz belegt. FLORINT-Weltmeister wurde der Pole Max Kuczynki, gefolgt von Gabor Nagy (Ungarn) und Frederic Dupré aus Frankreich. Nachfolgend erläutert Christopher Ernst einige für ihn wichtige Aspekte der floristischen Top-Veranstaltung.

Herr Ernst, wenn Sie nun auf die WM zurückblicken: Was war für Sie, ganz spontan geantwortet, der wichtigste Augenblick?

Christopher Ernst (CE): Das war die Flaggenparade anlässlich der Abendveranstaltung, als die Teilnehmer in den Veranstaltungssaal mit 2000 Besuchern einmarschierten. Das war ein Gänsehautmoment, den ich nicht vergessen werde.

Für Ihre Überraschungsarbeit, den floralen Schmuck eines Holland-Fahrrads, erhielten Sie von allen Teilnehmern die höchste Punktzahl. Was war aber für Sie persönlich Ihr bestes Werkstück?

CE: Das war mein Kopfschmuck, er passte mit seinem elfenhaften Gestus wunderbar zu dem Kleid.

Wieviel Zeit haben Sie in die WM-vorbereitung gesteckt, worüber haben Sie sich die meisten Gedanken gemacht?

CE: Ich denke, dass ich rund 800 Arbeitsstunden mit den Vorbereitungen verbracht habe. Worüber ich mit die meisten Gedanken gemacht habe, kann ich nicht sagen. Solch eine WM ist so vielfältig, da geht ein Gedanke in den anderen über.

Und finanziell, was hat Sie die Teilnahme gekostet?

CE: Ich denke rund 35.000 Euro.

Hatten Sie während der Veranstaltung Zeit, mit den anderen Teilnehmern Gespräche zu führen, Kontakte zu knüpfen?

CE: Während des Wettkampfes und der Vorbereitung in Den Haag blieb keine Zeit. Aber zwischendurch, etwa beim Frühstück, gab es viele Kontakte. Insgesamt war es für mich eine tolle Zeit.

Wie lief die Organisation, gab es Probleme?

CE: Der Ablauf war gut organisiert, es war eine runde Sache. Persönlich fand ich aber, dass der Waren-Pool nicht immer stimmig war, manchmal war es nicht die schönste Ware.

Konnten Sie neue Trends oder Techniken erkennen, gab es Übergeordnetes, was bei mehreren Teilnehmern identisch war, etwa eine bestimmte Farbe?

CE: Wirklich neue Trends sind mir nicht begegnet. Bei den Materialien könnte man auf die Verwendung von thermoplastischen Kunststoffen für die Gestelle verweisen oder auch auf den Einsatz von Epoxidharz. Durch eine bestimmte Aufgabenstellung zum Thema Meer war Blau recht präsent, daraus kann man aber keinen Farbtrend ableiten.  Übergeordnete Gemeinsamkeiten von Gewicht sind mir ebenfalls nicht aufgefallen. Die Teilnehmer sind dafür zu individuell geprägt, die gestalterischen Handschriften auf dem Niveau einer Weltmeisterschaft sind sehr unterschiedlich.

Welcher Mitbewerber hat Sie am stärksten beeindruckt?

CE: Frederic Dupré aus Frankreich war mein Favorit. Ein toller Florist und ein sehr netter Mensch.

Wie war im Vorwege die Resonanz in Deutschland, hatten Sie die Unterstützung von Schlachtenbummlern, gab es eine Presseresonanz?

CE: Ja, es waren recht viele Deutsche in Den Haag, 60, 70, vielleicht 100 Personen. Von der Fachpresse wurde die Weltmeisterschaft gut wahrgenommen. Ich denke von der Publikumspresse weniger, aber ich habe im Moment noch keinen Überblick. Allerdings war der MDR von Ort und hat gedreht.

Was denken Sie: Wird die WM-Teilnahme Auswirkungen auf Ihren beruflichen Alltag haben?

CE: Das muss man abwarten, erste Gespräche über Seminare in anderen Ländern habe ich schon geführt. Wir werden die neuen Kontakte nutzen und vielleicht auch einmal Teilnehmer einladen. Auf meinen Berufsalltag wird die WM eher weniger Einfluss haben. In Den Haag ging es um florale Kunst, das hat mit dem floristischen Alltag wenig zu tun.

Florale Kunst – kein Alltag Florale Kunst – kein Alltag
Florale Kunst – kein Alltag Florale Kunst – kein Alltag
Florale Kunst – kein Alltag Florale Kunst – kein Alltag
Florale Kunst – kein Alltag Florale Kunst – kein Alltag
Florale Kunst – kein Alltag Florale Kunst – kein Alltag
Bekenntnis zum Blumenfacheinzelhandel

Bekenntnis zum Blumenfacheinzelhandel

Am 7. Und 8. Oktober trafen sich die Mitglieder der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte (VDB) zu ihrer Jahreshauptversammlung auf dem BZG in Frankfurt am Main. Diskutiert wurde über die gegenwärtige Situation in der Grünen Branche und über die Entwicklungen, die in den nächsten Jahren den Handel mit Blumen und Pflanzen prägen werden.

Zur VDB gehören die Blumengroßmärkte (BGM) Hamburg, Dortmund, Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Mannheim, Karlsruhe, Ulm und Reutlingen. Also Handelsorganisationen auf genossenschaftlicher Basis, die primär für den Blumenfacheinzelhandel die bevorzugte Einkaufsquelle sind. Daher sind die Entwicklungen der Floristik-Fachgeschäfte, der Gartencenter und des Wochenmarkthandels einerseits und die Situation der die BGM beliefernden Gartenbaubetriebe und des Großhandels andererseits von entscheidender Bedeutung.

Schon vor Jahren sprach Jörg Vatter vom BGM Reutlingen an dieser Stelle davon, dass die Grüne Branche sich in „einem Strukturwandel“ befindet. An der Einschätzung hat sich nichts geändert, wie die Analysen auf der VDB-Sitzung zeigten. Der Gartenbau und der Blumenfacheinzelhandel leiden gleichermaßen unter Kostendruck, Personalmangel, anhaltende Konsumzurückhaltung, die Verschiebung des Blumen- und Pflanzenhandels in Richtung Systemhandel und die Schließung von Betrieben mangels Nachfolge.

Auf der VDB-Sitzung hieß es, dass die BGM in den vergangenen Jahren zwischen zehn und 20 Prozent an Kunden aus dem Blumenfacheinzelhandel verloren haben. Neugründungen sind - vor allem in den Großstädten - häufig „Werkstatt-Floristen“, die ohne stationären Läden Firmen- und Privatkunden betreuen. Einen Zuwachs an Neukunden verzeichnen einige BGM auch im Bereich Galabau. Verloren haben die BGM in ähnlich hohen Prozentzahlen anliefernde Gartenbauunternehmen. Die Lücken, die diese dann bei einigen Produktgruppen hinterlassen, werden aber häufig von den verbleibenden Anbietern gefüllt. Trotzdem muss damit gerechnet werden, dass die Arten- und Sortenvielfalt, auf die der Blumenfacheinzelhandel zur Abgrenzung gegenüber dem Systemhandel setzt, geringer wird.

Allerdings agieren die BGM weiterhin aus einer gewissen Stärke heraus. Alle Blumengroßmärkte sind wirtschaftlich gesund, die Eigenkapitalquote liegt bei bis zu 95 Prozent. Auch die Umsätze konnten gegenüber dem Vor-Corona-Vergleichsjahr 2019 weitgehend gehalten werden. Erst in diesem Jahr wird „mit einem leichten Umsatzrückgang“, so VDB-Vorstand Hans-Georg Biller (BGM Mannheim), gerechnet.

Angesichts der vielen Schließungen von Blumenfachgeschäften musste auf der VDB-Sitzung natürlich darüber diskutiert werden, welche Zielgruppen, die professionell mit Blumen und Pflanzen handeln, zukünftig zu den BGM-Kunden zählen könnten. Deutlich wurde an dieser Stelle, dass der traditionelle Blumenfacheinzelhandel weiterhin die führende Rolle spielen wird. Das zeigt sich auch in Zahlen: Von den Investitionen der VDB fließen über 80 Prozent in Maßnahmen zugunsten der Floristen, Wochenmarkthändler und Gartencenter.

Die Unterstützung dieser Zielgruppen zeigt sich auch in den Sozial-Media-Aktivitäten (Instagram, Facebook) der VDB. Dabei geht es unterschwellig immer darum, für den Blumenfacheinzelhandel als Einkaufsquelle zu werben. Auffällig ist, dass die Analysen der durchführenden Agentur „Grundrausch“ ergaben: Insbesondere Portraits von regional orientierten Gartenbaubetrieben treffen auf das Interesse der Follower. Das Thema „Regio“, dass die BGM-Kunden (und nur die) über die für sie entwickelte VDB-Marke „Ich bin von HIER!“ kommunizieren können, ist bei den Verbrauchern nach wie vor aktuell. Für den Blumenfachhandel wird auch immer wieder von einzelnen BGM geworben. So hat beispielsweise der BZG in Frankfurt am Main eine entsprechende Plakatserie entwickelt.

Mit Blick auf die Interessen des Blumenfacheinzelhandels wurde auf dem VDB-Meeting über die Landgard-Aktion „Family & Frieds“ gesprochen. Den Lieferanten und Mitarbeitern von Landgard wurden Gutscheine zur Verfügung gestellt, die diese an Familienmitglieder und Freunde verteilen sollten. Diese Endverbraucher konnten dann in den Landgard-Abholmärkten zu Großhandelspreisen einkaufen. Nach Angaben von Landgard wurden rund 34.000 dieser Gutscheine verteilt. Endverbraucher in Großhandelseinkaufsstätten, die dem Einzelhandel vorbehalten sein sollten? Dies sei für den Blumenfacheinzelhandel ein absolutes „no go“ hieß es auf der VDB-Sitzung einhellig.

Ebenfalls kritisch gesehen und entsprechend diskutiert wurde die neue Bestattungsverordnung in Rheinland-Pfalz. Diese macht es unter anderem möglich, Urnen auch außerhalb der Friedhöfe beizsetzen. Gewertet wurde dies von den Entscheidungsträgern der BGM als einen weitreichenden Eingriff in die überlieferte Friedhofskultur. Sicher war man sich, dass diese Entwicklung zukünftig auch in anderen Bundesländern greifen würde.

Einige weitere Beispiele zeigen, wie die Blumengroßmärkte auf den Strukturwandel reagieren. So wurde auf dem BGM Dortmund ein Zukunftsgremium ins Leben gerufen, dass sich mit den Perspektiven des BGM im Herzen des Ruhrgebiets beschäftigen wird. Auf dem BZG in Frankfurt am Main plant einer der Anbieter einen Online-Shop, der auch anderen Anbietern offenstehen wird. Auf dem BGM Ulm ist im Segment der Dekorationsartikel ein Shop-in-Shop-System entstanden, dass gleich nach der Eröffnung im September für ein deutliches Umsatzplus gesorgt hat. Auf dem BGM in Karlsruhe ist eine ähnliche Struktur in Planung, die Eröffnung wird voraussichtlich im kommenden Februar sein.

In den vergangenen Jahren zugenommen haben auf den Blumengroßmärkten auch wieder die Fachveranstaltungen, die den Partnern aus dem Blumenfacheinzelhandel gestalterische Inspirationen liefern. Beispielhaft erwähnen sollte man das Event „East meets West“ (1.November), bei dem kein Geringerer als der aktuelle Interflora-Weltmeister der Floristen, Nicolaus Peters aus Berlin, asiatische und europäische Gestaltungsideen und die japanische Mizuhiki-Knotentechnik präsentierte.

Deutlich wurde auf der VDB-Sitzung, dass die Blumengroßmärkte keine gleichgeschaltete Einheit sind, jeder BGM hat seine ganz eigenen Perspektiven. Auf den Meetings werden die Chancen aber auch die Probleme offen angesprochen, so dass alle BGM von den Erfahrungen anderer profitieren können. Ein partnerschaftliches Zusammenspiel im besten Sinne des Wortes und eine konkrete Umsetzung der genossenschaftlichen Idee.

Dieses partnerschaftliche Verhalten wird ein Pluspunkt sein, denn der große Sturm des Strukturwandels steht noch bevor. In den kommenden zehn Jahren werden 19,5 Millionen Baby-Boomer das Rentenalter erreichen, zahlreiche Blumenfachgeschäfte und so mancher Gartenbaubetrieb werden daher verschwinden. Bei diesen Marktveränderungen wird es auf schnelle Reaktionen ankommen, damit die verbleibenden Betriebe gute, vielleicht sogar bessere Ergebnisse erzielen als heute. Dabei könnte auch die Kleinteiligkeit der Branchen, in der Vergangenheit oft als Nachteil beschrieben, in der Zukunft ein Vorteil sein. Denn ein kleines Schiff kann bekanntlich schneller die Richtung ändern als ein großer Tanker.

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