Eine trendige Farbe und ein schöner kompakter Wuchs verhalfen ihr zur Auszeichnung: In der Kategorie „Beet- und Balkonpflanze“ machte die Garden Gerbera ‘Garvinea Sweet Pastry‘ (Züchter HilverdaFlorist/NL) während der Internationalen Pflanzenmesse im Januar in Essen das Rennen um die beste „IPM Neuheit 2026“. Sie eignet sich sowohl für die Pflanzung in Beeten und Rabatten, Töpfen und Kübeln, als auch als Schnittblume. Doch nicht nur trendig muss es in diesem Jahr zum Start der B&B-Saison sein: Pflegeleichte und ausdauernde Sorten stehen beim Kunden im Fokus.
Eine gute Wetter- und Hitzeresistenz sowie lange Blühperioden – ideal für Balkonkästen und Kübel – versprechen beispielsweise Angelonia Angelface, Bildens wie ‘Tweety’, ‘Rockstar’, die kompakte Calibrachoa ‘Unique Wisteria Star’ oder die sehr ausdauernde Verbena Vepita, mit Sorten wie ‘Electric Purple’ oder ‘Carmine Kiss 2026’ (alle Kientzler). Den ganzen Sommer blühen Catharanthus Soiree (Kientzler), die mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen und dank kleinen Blüten (in fünf Farben) auch in einer Grabbepflanzung auf dem Friedhof gefallen. Hitzerobust und sehr insektenfreundlich ist die neue Gomphrena ‘Little Truffula’ (Kientzler), die mit ihren lilafarbenen Blüten sehr kompakt bleibt und sich ebenfalls für die Verwendung auf dem Friedhof eignet.
Nicht nur in eine Rahmenbepflanzung oder in öffentliche Beete passt sich die Neu-Guinea-Impatiens Solarscape (von Florensis), die aus Saatgut kultiviert wird. Sie liebt volle Sonne, gedeiht aber auch im Schatten und glänzt mit schimmernden, intensiv gefärbten Blüten. Durch ihr kräftiges, tiefreichendes Wurzelsystem trotzt sie wechselnden Wetterbedingungen und liefert ein beeindruckendes Blütenmeer bis weit in den Herbst hinein. Florensis bietet Solarscape in sechs leuchtenden Farben an – von Weiß über Lachs- und Rosatöne bis hin zu Magenta und Orange.
Mit gleich zwei Dahlien-Neuheiten sorgte Züchter Dümmen Orange in dieser Saison für Aufmerksamkeit: ‘Red Star‘ und ‘White‘ erweitern die Dahlien-Serie Summer Bees. Die insektenfreundlichen Eyecatcher überzeugen mit zuverlässiger Blüte vom Sommer bis in den Herbst. Dank ihrer starken Verzweigung entstehen zahlreiche Einzelblüten, was für ein besonders üppiges Erscheinungsbild sorgt. Gleichzeitig bieten sie reichlich Nahrung für Bestäuberinsekten. Ob als Solitärpflanze oder in Kombination mit anderen Beetpflanzen – ihr hoher Zierwert macht sie vielseitig einsetzbar.
Auch im großen Sortiment der Pelargonien gibt es etwas fürs Auge: In der Serie Survivor Idols (Dümmen Orange) sticht die Sorte ‘Batik Red‘ heraus. Ihre intensive Blütenfarbe bleibt über den Sommer hinweg stabil, dazu kommt attraktives Laub. Dank interspezifischer Genetik punktet sie mit verbesserter Verzweigung, hoher Hitzetoleranz und guter Kulturführung – sowohl bei kühlen als auch bei warmen Temperaturen.
Mit gleich mit sieben neuen Farben von Gelb über Rosa Orange bis Magenta legt Züchter Beekenkamp Plants seine neue Calibrachoa Serie Oasis auf. Vorteil der neuen Serie ist eine bessere Bewurzelung, eine stabile Kultur und ein gutes Durchhaltevermögen den ganzen Sommer über. Die Sorten müssen nicht piniziert werden und kommen ungestutzt zu einer sehr schönen großen, dazu insektenfreundlichen Blüte.
Pflegeleicht und ausdauernd
Mehr und mehr rückt bei der Pflanzenauswahl für die Sommerbepflanzung das Thema „pflegeleicht“ und „ausdauernd“ in den Mittelpunkt. Dazu eignen sich Stauden als Kombinationspartner wunderbar. Im Hitzeprofis-Sortiment von Kientzler fielen auf der IPM die riesigen Blattrosetten von x Semponium ‘Vortex’ oder ‘Sienna’ (Kreuzung aus Aeonium und Sempervivum) auf, oder die neue Peperomia ‘Happy Beans‘ mit ihren dickfleischigen schmalen Blättern, die an Bohnenschoten erinnern. Topfnelken, beispielsweise von Züchter Selecta One, blühen besonders lange und ausdauernd: Ihr Sortiment wird kontinuierlich erweitert. Und so fallen neue Sorten wie die knallig-pinke ‘It-Girl‘ oder verbesserten Serien wie Trixi Compact Oro Double auf. Ganz neu zeigte der Züchter die Grande Serie, mit sehr großen leuchtenden Blüten, die in sieben Sorten zur Auswahl steht.
Therese Backhaus-Cysyk
Der Trend zur „Mini-Versorgung“ im eigenen Heim bleibt ungebrochen. Wem essbares Gemüse zu aufwendig erscheint in der Kultur, der lässt sich von pflegeleichten Kräutern sicherlich begeistern. Besonders gefragt sind Sorten, die wenig Wasser brauchen und schnell und unkompliziert eine ausreichende Ernte für Speisen und Getränke liefern. Dabei werden klimafeste Konzepte mit dem Fokus auf ökologische Vielfalt immer beliebter.
Bei Anbietern von Kräutern auf dem Blumengroßmarkt stehen inzwischen unzählige Sorten – von klassischen Küchenkräutern bis hin zu exotischen Arten zur Auswahl. Wie lässt sich dabei eine gezielte Auswahl auch für eine kleinere Präsentationsfläche im Blumenfachgeschäft auswählen?
Setzen Sie gezielt auf thematische Präsentationsinseln wie „Küche & Kräuter“, ein Fensterbank-Starter-Set oder ein „Kräuter-Potpourri für den mediterranen Balkon“. Solche klar inszenierten Themenwelten sprechen Kundinnen und Kunden emotional an, erleichtern die Orientierung und steigern die Kaufbereitschaft – besonders zum Saisonstart.
Wird die Präsentation zudem auf Augenhöhe aufgebaut und optimal ausgeleuchtet, erhöht sich die Aufmerksamkeit deutlich. Eine stimmige Inszenierung lädt zum Entdecken ein und macht Lust auf frische Kräuter.
Wer über ausreichend Platz verfügt, kann das Angebot sinnvoll erweitern: Ergänzen Sie passende Töpfe, Substrate, Pflanzenschilder oder Rezeptkarten. So entsteht ein ganzheitliches Einkaufserlebnis – und zusätzliche Impulskäufe werden gefördert.
Genuss von der kleinsten Fensterbank
Hohe Nachfrage verzeichnen Basilikum, Petersilie oder Schnittlauch, als Küchenkräuter sind diese Klassiker universell einsetzbar und passen auch auf die kleinste Fensterbank. Um sich vom Lebensmitteleinzelhandel abzuheben lohnt sich ein Blick auf Sorten, die dort nicht zu finden sind. Beispielsweise kleinblättriges Basilikum (etwa von Volmary oder Graines Voltz), mit dem mild-aromatisch gewürzt werden kann. Interessant sind auch Genoveser Basilikumsorten, wie im Le Jardin Gourmand-Sortiment (Graines Voltz) die Sorte ’Mia‘. Sie entwickelt mittelgroße und abgeflachte Blätter, wächst kompakt und halbrund, kann im Freiland kultiviert werden und ist resistent gegen Falschen Mehltau (DM 0, DM 1) und Fursarium.
Auch ein Blick ins Sortiment von Basilikum mit roten Blättern lohnt sich. Basilikum ‘Copa Red-Green Shades' (von Volmary) ist nicht nur geschmacklich besonders, sondern ein Hingucker. Die mittelgroßen und dunkelroten Blätter sind von einem feinen, fast neon-grünen wirkenden Blattrand umschlossen. Das macht ihn zu einem Highlight im Beet oder zum ergiebigen Topf-Basilikum auf der Terrasse, erklärt der Züchter.
Bereits bei vielen als Klassiker gehandelt, lassen sich mediterrane Kräuter ins Szene setzen. Dazu gehören beispielsweise Thymian, Oregano oder Rosmarin, die sonnige und zumeist trockenere Standorte lieben. Auch hier geht das Angebot bei Kräuter-Produzenten weit über die klassischen Sorten hinaus. Der robuste Goldthymian (Thymus citriodorus ‘Mystic Lemon’) von Volmary (Münster) oder der neue Oregano-Thymian (er kombiniert das intensive Aroma von Oregano mit der Robustheit eines Thymians), sowie der neue Pfeffer-Thymian (Thymus piperella), beide von Blu Blumen (Langenberg) bieten sich als Besonderheiten an.
Wer Kräuter für Tee und Getränke als Thema in Szene setzen möchte, kommt an Minze, Zitronenmelisse und Zitronenverbene nicht vorbei. Besonders Minzen verfügen über ein sehr breites Sortiment. Das sich mit Accessoires und Rezepten und Verkostungstipps individuell präsentieren lässt. Zum Storytelling über Kräuter gehören dann auch neben der Geschichte rund um die Pflanzen das Thema Gesundheit und Ökologie, die das das Angebot emotional noch reizvoller machen.
Last but not least lässt sich bei Kunden, die schon viele Kräuter kennen, mit exotischen Sorten oder Besonderheiten die Neugier wecken. Neu im Sortiment von Graines Volz steht Wasabi ‘Midori‘ (Eutrema japonicum). Der japanische Meerrettich, eignet sich für den Anbau im Halbschatten bis Schatten im Topf oder im Freiland, vorausgesetzt, die Bedingungen sind kühl und feucht. Er wird 40 bis 60 cm hoch und ist winterhart bis rund minus zehn Grad (Winterschutz wird aber empfohlen). Auch die Austernpflanze (Mertensia maritima) (etwa im Sortiment bei Graines Voltz oder Blu Blumen) mit ihren fleischigen, blau-silbrigen Blättern, die tatsächlich in ihrem Geschmack an Austern erinnern, ist vielerorts noch eine Besonderheit. Kulinarisch werden vor allem die jungen Blätter frisch verwendet, etwa als Garnitur zu Fischgerichten oder in Salaten (salzig-frische Note).
Therese Backhaus-Cysyk
Heimat-Floristik von Katharina Eidt: Im zweiten Teil ihrer Serie geht es um Sommerfloristik, die in einem kontrastreichen Ambiente fotografiert wurde. Dem Generalthema Ton, dem „weißen Gold“ ihrer Heimatregion Westerwald, ist sie dabei treu geblieben.
Das Umfeld für die Sommerfloristik haben Katharina Eidt und der Fotograf Peter Josef Koch in den Produktionsstätten der Spang GmbH gefunden. Dort wird ein Jubiläum begangen: Vor genau 100 Jahren wurden in dem Familienunternehmen unter dem Markenbegriff „Westerwälder Tontöpfe“ erstmalig aus gelbem, rot brennenden Ton Pflanz-Töpfe gefertigt, die sich bis heute im Markt gehalten haben. Die Meisterfloristin aus Wirges sieht eine unmittelbare Verbindung: „Ton ist in ursprünglichen Sinne Erde und ohne Erde können in der Natur keine Pflanzen wachsen“.
Die Kombination farbenprächtiger Sommer-Flora mit dem grauen Industrieambiente sorgt für starke Kontraste. Diese sind ein Hinweis auf die Präsentation von Blumen im Fachgeschäft. Blumen entfalten ihre Wirkung insbesondere dann, wenn sie sich von dem Umfeld, in dem sie präsentiert werden, abheben.
Für Katharina Eidt beginnt der Frühsommer „mit Blau, Violett und Pastelltönen und wechselt im Hochsommer zu Rottönen und leuchtendem Orange“. Die Blumen stammen aus dem eigenen Garten und „die weniger `alltäglichen` Blüten vom Blumengroßmarkt“. Das Zusammenspiel von Bekanntem und Unbekanntem macht unter anderem den Reiz dieser Sommer-Impressionen aus.
Weniger bekannte Blumen werden in der aktuellen Floristik immer wichtiger, weil „wir uns neben der Gestaltung nur durch sie von anderen Anbietern abgrenzen können“, ist die Gregor-Lersch-Schülerin überzeugt. Solche Werkstoffe sind aber nicht überall zu finden, da immer mehr Blumenarten vom internationalen Markt verschwinden. Erzeugt wird vornehmlich das, was ohne große gärtnerische Expertise produziert und in großen Mengen abgesetzt werden kann. „Besonderheiten finden wir eigentlich nur noch auf dem Blumengroßmarkt – wo es noch Gärtnereien gibt, die Nischen bedienen oder Großhändler, die besondere Quellen haben“.
Zur Präsentation ihrer Sommer-Floristik im Werk der Spang GmbH hat Katharina Eidt auch Darstellungsformen gewählt (etwa Schnittblumen, die kopfüber hängen), die im Alltag kaum umsetzbar sind. Zum einen ist dies Ausdruck der Freiheit in Gestaltung und Präsentation, die die Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte als Auftraggeber der Meisterfloristin aus Wirges bewusst gewährt hat. Zum anderen kann man es auch als einen Aufruf an die Floristen-Branche verstehen, in der Präsentation von Floristik mutiger zu werden, um die Aufmerksamkeit der Kunden stärker einzufangen.
Spätestes beim Advents- und Weihnachtsgeschäft des vergangenen Jahres wurde überdeutlich: Der Handel mit Dekorationsartikeln wird für Floristik-Fachgeschäfte immer schwieriger. Die Blumengroßmärkte offerieren in ihren Bemühungen um ein Vollsortiment weiterhin ein breites Spektrum an Floristenbedarfshandelsartikeln, zu denen auch Wohnaccessoires gehören. Doch die Nachfrage der Verbraucher und somit auch der Blumenfachgeschäfte nimmt ab.
Die Gärtner-Zeitung Taspo hat vor geraumer Zeit die Umsatzentwicklung von Wohnaccessoires im Blumenfacheinzelhandel unter die Lupe genommen. Zur Sprache kam dort unter anderem Armin Strecker, Gesellschafter des Floristenbedarfsartikelhandels Ernst Strecker GmbH & Co. KG sowie Mitbegründer der Einkaufsgemeinschaft „Florissima“. Er sprach davon, dass die Branche „keine konjunkturellen, sondern strukturelle Probleme“ hat. Gemeint ist damit, dass die Schwierigkeiten weniger in den Produkten selbst, sondern im Angebotsumfeld zu suchen sind.
Den letzten Umsatzhöhepunkt erlebte der Floristen-Handel mit Wohnaccessoires in den Jahren der Corona-Pandemie. Die Menschen mussten zu Hause bleiben und sie begannen verstärkt, es sich dort (und in den Gärten) „schön“ zu machen. Ausreichend Geld war vorhanden, schließlich konnten die Gelder, die für Urlaubsreisen geplant waren, in die Verschönerung des heimischen Umfelds investiert werden. Die Investitionen, die damals getätigt wurden, wirken bis heute nach. Wer vor fünf Jahren die eigenen vier Wände „aufgemöbelt“ hat, wird das heute nicht wieder tun. Zumal die frei verfügbaren Gelder längst wieder in Urlaubsreisen fließen.
Experten wie Armin Strecker schätzen, dass seit Corona der Handel mit Dekorationsartikeln um bis zu 25 Prozent rückläufig ist. Dafür sind mehrere strukturelle Gründe anzuführen. Zu nennen ist vor allem der zahlenmäßige Exodus in der Floristen-Branche. Verdeutlichen lässt sich dies an Zahlen der Fleurop AG. Hatten die Berliner Blumenversender noch vor rund 20 Jahren etwa 10.000 Partnergeschäfte, so sind es heute noch rund die Hälfte. Klar, dass diese Entwicklung auch Auswirkungen auf den Handel mit Wohnaccessoires hat.
Hinzu kommt, dass die Blumenfachgeschäfte, einst weithin anerkannt als Spezialisten im Geschenkebereich, mittlerweile starke Konkurrenz in dem Segment erfahren. Spezialisierte Ketten wie Depot bieten mittlerweile Dekorationsartikel zu Niedrigpreisen an. Zu Verkaufsschwerpunkten wie Ostern stellen zudem die Drogeriemärkte ihre Regale mit Accessoires voll.
Eine mindestens genauso starke Konkurrenz für die Blumenfachgeschäfte sind Online-Anbieter wie Temu, wo mittels Niedrigpreisen und zahlreichen Rabatt-Aktionen dreistellige Wachstumsraten erzielt werden. In die Karten spielt solchen Plattformen, dass bei einem Warenwert unter 150,00 Euro in der EU keine Zölle verlangt werden. Mittlerweile ordern nicht nur Endverbraucher, sondern auch zahlreiche Floristen bei diesen Anbietern.
Strukturelle Veränderungen sind aber nicht nur auf der Einkaufsseite, sondern ebenfalls auf der Nachfrageseite spürbar. Wie erwähnt: In der Corona-Pandemie wurde „aufgemöbelt“, die damals entstandene und befriedigte zusätzliche Nachfrage fehlt heute. Hinzu kommt, dass die jüngere Generation, die heute ihre Wohnungen einrichtet, ein anderes Verhältnis als die Elterngeneration zu Wohnaccessoires pflegt. Der norddeutsche Begriff „Tüddelkram“ entspricht der nicht selten anzutreffenden Einstellung zum Osterhäschen oder Weihnachtsengel. Aus der Floristen-Branche hörte man zum Weihnachtsgeschäft 2025, dass Accessoires, speziell bei jungen Kunden, nur noch als integriertes Teil der Werktücke, aber kaum mehr „solo“ zu verkaufen waren.
Ebenso oft wurde aber erwähnt: Accessoires treffen auch heute noch über alle Generationen hinweg auf Interesse, wenn sie von einer hohen Wertigkeit, von einer gewissen Exklusivität geprägt sind. Der Billigkram wird bei Billiganbietern gekauft, von einem (Blumen-) Fachgeschäft erwarten die Kunden eine höhere Qualität. Genau das ist die Chance der Floristik-Fachgeschäfte, ihr traditionelles Image als Geschenkespezialisten auch in diesem Bereich aufrecht zu erhalten.
Nun sind die auf den Blumenfacheinzelhandel spezialisierten Anbieter von Dekorationsartikeln auf den Blumengroßmärkten seit jeher darum bemüht, ihren Kunden Produkte anzubieten, die es nicht an jeder Ecke gibt. Diese Angebotsstrategie wird in Zukunft sicher noch weiter ausgebaut, denn in den Massenprodukten, die zu einem großen Teil aus China kommen, liegt wohl kaum die Zukunft für die Blumenfachgeschäfte. Wobei man aber nicht verallgemeinern darf, denn es wird auch in Zukunft ausreichend Kunden geben, die zu Ostern das Häschen und zu Weihnachten das Engelchen kaufen möchten. Es sollten aber nicht genau die Häschen und Engelchen sein, die auch von den Deko-Ketten und von den Drogeriemärkten angeboten werden.
Ein großer Vorteil der Floristen, den die Wettbewerber im Dekorationshandel nicht haben, liegt in der Integration von Accessoires in floristische Werkstücke. Katharina Eidt hat in der Frühjahrsausgabe dieser Publikation gezeigt, wie man etwa das Häschen als Osteraccessoire so integrieren kann, dass es weit entfernt von „Tüddelkram“ die gewünschte Symbolik entfalten kann. Das entspricht der Richtung, die von zahlreichen führenden Floristen als zukunftsfähig angesehen wird: Der Weg geht weg vom reinen Handel und hin zur Gestaltung. Das Häschen, um bei dem Beispiel zu bleiben, ist als Einzelprodukt nicht mehr so leicht zu verkaufen. Allein schon, weil es möglicherweise preislich vergleichbar ist und die Preisstruktur etwa eines Drogeriemarktes von einem Blumenfachgeschäft nicht erreicht werden kann. Integriert in ein floristisches Werkstück ist der Häschen-Preis aber nicht mehr unmittelbar vergleichbar.
Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der den Floristen auf lange Sicht beim Handel mit Dekorationsartikeln Vorteile verspricht. Die Kunden der Blumengroßmärkte haben den direkten persönlichen Kontakt zu den Anbietern. Man kann sich also austauschen, gemeinsam darüber sprechen, wo zukünftig die Potentiale liegen. Die Floristen wissen eine ganze Menge darüber, was ihre Kunden wünschen. Die Deko-Anbieter auf den Blumengroßmärkten wiederum haben die Order-Kontakte, die notwendig sind. Solch eine direkte Kommunikation kann kein Deko-Anbieter für sich wahrnehmen. Es ist so etwas wie die Erweiterung des „Sichtkaufs“, der bekanntlich bei Blumen und Pflanzen den Unterschied ausmacht.
Foto: Ein Ausschnitt aus der Frühjahrs- und Oster-Serie von Katharina Eidt: Das Häschen wäre „solo“ möglicherweise schwer zu verkaufen, als Teil des Werkstücks wird es zum integrierten Bestandteil der Gestaltung.
Foto: Koch, VDB